Heimatverein Wilhelm Busch » Wilhelm-Busch-Zimmer » Wilhelm-Busch-Zimmer-Eröffnung 1997
Ortsrat übergibt Wilhelm-Busch-Zimmer an Heimatverein
Heimatverein zeigt Verbundenheit mit Busch
(Auszugsweise aus dem Zeitungsbericht in der Einbecker Morgenpost am 11. November 1997 verfaßt von Frau Edith Kondziella)
Ein langgehegter Wunsch geht für die Lüthorster in Erfüllung: Am Sonntag, 09. November 1997 wurde das Wilhelm-Busch-Zimmer dem Heimatverein übergeben. Er wird nun das Erbe des Zeichners und Dichters Busch hochhalten, der in Lüthorst rund 50 Jahre lang seine zweite Heimat gefunden hat.
Wilhelm Busch (1832 bis 1908) lebte ab 1841 bei seinem Onkel Pastor Kleine in Ebergötzen; 1846 erfolgte die Umsiedlung ins Lüthorster Pfarrhaus. Im April 1847 wurde Busch in Lüthorst konfirmiert. Immer wieder kam er über Jahrzehnte hierher, letztmalig 1895 kurz vor dem Tod seines Onkels.
Der Heimatverein Wilhelm Busch, gegründet am 20. März 1997, übernahm nun offiziell die Betreuung des Heimatzimmers. Viele Helfer, so Vorsitzender Stünkel, hätten für den gesamten Anbau mit Sport- und Schießraum zahlreiche Stunden geopfert, und namhafte Spenden machten die Einrichtung möglich. Die dort gezeigte Ausstellung, ausgearbeitet von der Wilhelm Busch Gesellschaft Hannover, zeige, daß Lüthorst tatsächlich die zweite Heimat von Wilhelm Busch war. Aber auch mit der Kernstadt Dassel war der Künstler eng verbun-den, ergänzte Bürgermeister Günther Brandt: Alle 14 Tage sei er nach Dassel in den Club gegangen, wo er sich sehr wohl fühlte. Inzwischen trage eine Schule seinen Namen, und eine Tafel erinnere am ehemaligen Clubhaus an ihn.
Die Bedeutung des Heimatvereins hob der Vorsitzende des Sollingvereins, Friedrich Schwerdtfeger, hervor. Die Heimatverbände wiesen auf das hin, was wirklich lebenswert sei. Der Heimatverein sei einen langen Weg gegangen, um Busch diese Ehre zuteil werden zu lassen. Busch habe in Lüthorst seine schönsten Jahre verbracht und viele Ideen für sein späteres Wirken gefunden.
Als versierten Busch Kenner stellte Willi Papenberg, Pastor Hans Feltkamp aus Sandbostel vor, Verfasser des Buches "Wilhelm Busch für Anfänger. Eine kurze Einführung in sein Leben und Schaffen". Bei Busch tauche häufig die Frage auf, ob er Junggeselle aus Überzeugung sei oder ob er bei Frauen das Nachsehen hatte, weil andere schneller waren. Ein Ehemann, so Feltkamps Fazit sei an dem Künstler nicht verlorengegangen, wenngleich er sich von mancher hübschen Frau angezogen fühlte. Entweder waren sie aber zu jung oder in festen Händen und somit unerreichbar. Nur einmal sei es ernst geworden, und da habe er dann doch einen Rückzieher gemacht. Er habe es nicht anders haben wollen, und so sei sein Vers "Wer einsam ist, der hat es gut" durchaus für ihn selbst zutreffend.
Mit der Geschichte des Wilhelm-Busch-Zimmers beschäftigte sich Willi Papenberg auf humoristische Weise in Busch nachempfundenen Reimen; jetzt konnte man ja drüber lachen. Schon nachdem 1971 ein Gedenkstein enthüllt wurde, kam in Lüthorst der Ruf nach einer Gedenkstätte auf. Zahlreiche Bemühungen und ebensoviele Fehlschläge prägten den Weg dorthin. Seit 1991 war das Zimmer dann Dauerthema im Ortsrat, und in den letzten Jahren kam das Projekt, gemeinsam mit Übungsraum der Schützen und des Turnvereins, voran. Das Wilhelm-Busch-Zimmer sei nicht allein Sache des Ortsrates, so habe man sich umgesehen und gemeinsam mit der
Wilhelm Busch Gesellschaft diese Gedenkstätte geschaffen. Es gebe aber mehr als nur Busch in Lüthorst, so sei der Heimatverein auch für andere Themen aufgeschlossen.
Zu sehen sind in der Ausstellung 20 Bilder, die in Lüthorst entstanden sind, über das kleine Format solle man nicht erschrecken, so Papenberg, denn der Künstler habe so gemalt, und so seien fast alle Reproduktionen in Originalgröße zu sehen.
Ruth Brunngraber Malottke von der Wilhelm Busch Gesellschaft erläuterte das Konzept des Zimmers, in dem Stücke aus dem reichen Fundus der Lüthorster Arbeiten Buschs untergebracht worden seien, Ölgemälde aus der Zeit von 1868 bis 1890/95, dem Zeitpunkt, als Busch die Malerei beendet habe. Daran lasse sich sein Weg zu eigenen Kompositionen an der Schwelle zur modernen Kunst nachvollziehen. Portraits und Landschaften, hier hauptsächlich zu sehen, dominierten auch im Gesamtwerk. Darüber hinaus werden Handzeichnungen aus ganz früher Zeit, um 1846/47, ausgestellt, noch mit unsicherem Strich, aber schon mit der Gabe, Menschen mit ihren Eigenschaften und seelischen Komponenten darzustellen. Beispiele dafür, wie sehr Busch mit Lüthorst verbunden war, seien etwa die Bilder der Kleine Kinder. Private Zeugnisse schließlich runden das Bild ab, und auch die Auswahl von Briefen zeigt, wie sehr sein Herz an diesem Ort gehangen hat. Busch fand bei seinem Onkel, dem Pastor, Rückhalt, denn sein Vater war von den künstlerischen Neigungen des Sohnes weniger angetan.
Die Wilhelm Busch Gesellschaft, betonte Ruth Brunngraber Malottke, freue sich über dieses Zimmer, das mit den anderen Gedenkstätten das Bild des Künstlers abrunde.
Mit diesem Tag sei der Ruf nach einem Wilhelm-Busch-Zimmer nach 25 Jahren erhört worden, so Ortsbürgermeister Gerhard Ritter. Die hier geschaffene Erinnerungsstätte solle über Lüthorst hinaus bekannt werden, wünschte er sich, bevor er den symbolischen Schlüssel an den Vorsitzenden des Heimatvereins, Joachim Stünkel, übergab.