Portal zur Geschichte

Kürzlich besuchte der Heimatverein "Wilhelm Busch" aus Lüthorst das "Portal zur Geschichte" in Bad Gandersheim. Empfangen wurde die Besuchergruppe an der Stiftskirche von Frau Race, die auch die Erläuterungen zum Portal der Gruppe an diesem Tag gab.

In der Einführung wurde von Frau Race die Stiftskirche als Mittelpunkt der Kanonissen vorgestellt. Im Jahre 852 gründeten der sächsische Graf Liudolf und seine Frau Oda ein Kanonissenstift in Bad Gandersheim.  Als ottonische Kaiser herrschten ihre Nachkommen im 10. Jahrhundert in weiten Teilen Europas. In Gandersheim befände sich die älteste Grablege der Herrschaftsfamilie, hier lebten die Töchter als Äbtissinen im Reichsstift.  Nach der Umwandlung in ein evangelisches Frauenstift erlebte das Stift im 18. Jahrhundert eine zweite Blütezeit unter Äbtissin Elisabeth Ernestine Antonie von Sachsen-Meiningen und entwickelte sich zu einem Zentrum derWissenschaften.

In den Glanzzeiten wurde ein interessanter Kirchenschatz zusammen getragen. Die Besucher des Heimatvereins konnten sich in der Ausstellung vom Schatz des Reichsstifts überzeugen.  Frau Race deutete aber auch auf einen Wertverlust dieses Schatzes an. Der Schatz besteht aus der prächtigen Kirchenausstattung und den kostbaren Kultgegenständen, deren Gold und Silber in Notzeiten teilweise veräußert wurde. Aber nicht alles wurde weggegeben, sondern für die Gläubigen waren die Heiligenreliguien der "größte Schatz".

Frau Race betonte, dass viele dieser Religuien erhalten geblieben sind, darunter ein tausendjähriges Bergkristallfläschchenmit dem Blut Christi. Die Besucher vom Heimatverein zeigten sich über den Gandersheimer Kirchenschatz der seltenen Religuien, der Altäre und der wertvollen Textilien sehr beeindruckt.

Anschließend fuhr die Gruppe des Heimatvereins bei wunderschönes Wetter in das Kloster Brunshausen, um sich dort die Ausgrabungsfunde und die kostbaren Textilien der Liudolfinger anzusehen.

Brunshausen, so Frau Race, war zunächst ein ottonischer Herrensitz, Kloster für Männer und Frauen, evangelisches Frauenkloster und Sommerschloss der Äbtissinnen. Hier führten "starke Frauen" durch die Jahrhunderte des Reichsstifts. So berichtete Kaiserin Theophanu von der aufwendigen griechischen Mode, die sie in Reich der Ottonen mitbrachte. Besonders wies Frau Race auf die "erste deutsche Dichterin", Roswitha von Gandersheim hin, die vom Leben Otto des Ersten und den Nachstellungen, denen fromme Jungfrauen ausgesetzt waren erzählte.

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen im spätgotischen Kirchenraumausgewählte Exponate aus der einzigartigen Sammlung kostbarer Textilien des siebten bis 18. Jahrhunderts. Auch die gezeigten Reste romanischer Glasfenster aus Brunshausen, wertvolle Stuckplastiken, Malereien und Steinmetzarbeiten begeisterten die Besucher des Heimatvereins.

Am Ende bedankte sich der Vorsitzende des Heimatvereins "Wilhelm Busch", Lüthorst, Joachim Stünkel, im Namen der Besuchergruppe für die interessante und aufschlussreiche Führung von Frau Race. Beim anschließenden Kaffeetrinken im Rosencafé plauderte die Besuchergruppe aus Lüthorst noch begeistert über die gesehene Ausstellung Portal zur Geschichte.

Nachricht eingestellt am 15.10.2009 durch Joachim Stünkel.