Dr. Hans Joachim Neyer zu Gast in Lüthorst

Dr. Hans Joachim Neyer, Direktor des Wilhelm Busch Museums Hannover und Geschäftsführer der Wilhelm Busch Gesellschaft referierte mit einem Bildervortrag als Gast auf der Jahreshauptversammlung zu dem Thema "Herzensschmerz und Nasenpein" Komische Katastrophen bei Wilhelm Busch.

Auf Einladung des Lüthorster Heimatvereins weilte Dr. Hans Joachim Neyer, Direktor des Wilhelm Busch Museums Hannover und Geschäftsführer der Wilhelm Busch Gesellschaft kürzlich in Lüthorst. Er referierte mit einem Bildervortrag als Gast auf der Jahreshauptversammlung des Vereins zu dem Thema "Herzensschmerz und Nasenpein - Komische Katastrophen bei Wilhelm Busch".

Dr. Neyer schilderte den Zuhörern eine bisher so nicht wahrgenommene Seite des berühmten Humoristen, Malers und Zeichners, der in Lüthorst von 1846 bis 1896 seine zweite Heimat hatte. Busch, nachdem er den Wünschen und Vorstellungen seines Vaters nicht gerecht werden wollte und konnte, war in der Mitte des vorvorherigen Jahrhunderts ein von Erfolglosigkeit und Selbstzweifeln geplagter Mann. Er arbeitete als "Tagelöhner" und wurde für seine Werke nach vorgelegten Bildern und Zeilen entlohnt.

"Über Wasser" hielt er sich mit der Erstellung von Karikaturen. Erst zu einer späteren Schaffenszeit versah er dann Bilder mit Texten. In der Zeit von 1860 bis 1880 arbeitete Busch viel für den Münchener Verleger Casper Braun, Herausgeber der Münchener Bilderbogen. Braun orientierte sich an dem Geschmack und den Wünschen seiner Kunden. Damit setzte er Busch unter Druck. Wollte dieser weiterhin mit dem Zeichnen und Schreiben seinen Lebensunterhalt bestreiten, musste er entsprechende Arbeiten liefern. Letztlich bekam Busch Geld dafür, seine Leser zu amüsieren.

Das machte er dann auf sehr professionelle Art und Weise und ging dabei wie ein Entertainer vor. Buschs Figuren und Geschichten waren aus dem Leben gegriffen. Die Leser konnten sich zu jeder Zeit mit ihnen identifizieren. Busch schilderte oft die Not und das Elend der Menschen in ihrer Zeit. Er beschrieb dabei den "Durchschnitts-menschen, den Spießer, ja manchmal den Trottel" und nahm diese dann auf die Schippe. Schadenfroh registrierte der aufmerksame Leser das Malheur und war froh, dass es ihn nicht selbst erwischte. Schadenfreude ist schließlich die beste Freude.

Buschs Bildergeschichten in dieser Zeit waren zunächst einmal grausam und böse. So malte und zeichnete er in seiner Schaffenszeit insgesamt 50 "Nasenattacken". Diese lassen sich in Geschichten wie "Die Brille", "Das Pusterohr" oder "Fipps der Affe" wieder finden. Dr. Neyer dazu: Busch war überzeugt davon, dass das Böse die Welt regiert. Buschs Spruch "Das Gute - dieser Satz steht fest - ist stets das Böse, das man lässt" untermauert diese Einstellung.

Auch in der Geschichte "Die fromme Helene" lässt sich das Böse entdecken. "Es ist ein Brauch von alters her: Wer Sorgen hat, hat auch Likör", heißt es dort. Schließlich zerbrach die gläubige Helene an dem Konflikt zwischen dem Alkohol, dem sie zugetan war und ihrem Glauben.

Busch stellte, so Dr. Neyer, Überlegungen an, dass die Welt die Hölle sei. Trotzdem hat er sich nie philosophisch über seine Überzeugungen ausgelassen. Er malte und zeichnete keine fröhlichen Menschen; er macht uns aber mit seinen Werken fröhlich.

Busch galt in seiner Zeit als hervorragender Karikaturist. Seine Technik, Aktion in Bilder zu bringen, dadurch die Phantasie des Lesers anzuregen und sie in seine Geschichten mitzunehmen, diente als Vorbild für die amerikanischen Comics. Er war einer der ersten Bewegungsschreiber und publizierte u. a. in den "Fliegenden Blättern", die als erste Illustrierte in Deutschland gilt.

"Herzensschmerz und Nasenpein - Komische Katastrophen bei Wilhelm Busch" wird auch das Motto einer neuen Ausstellung im Wilhelm Busch Museum in Hannover sein. Die Ausstellung öffnet am 24. Juli; darauf wies Dr. Neyer abschließend hin.

Nachricht eingestellt am 14.04.2005 durch Archiv.